
Morfij
Konstanty Willemann, ein morphiumsüchtiger Zyniker, hin- und hergerissen zwischen polnischer und deutscher Identität, versucht, den September 1939 und den Krieg zu überleben, indem er vor der Geschichte, seiner Mutter, Frauen und sich selbst flieht.
Morphin (2012) ist einer der erfolgreichsten Romane des polnischen (schlesischen) Schriftstellers Szczepan Twardoch. Die Handlung folgt dem Leben von Konstanty Willemann, einem dreißigjährigen Warschauer, einem gescheiterten Künstler, Lebemann, Frauenhelden, schlechten Ehemann und Vater sowie Morphiumsüchtigen. Er ist der Sohn einer polonisierten Schlesierin namens Katarzyna und eines deutschen Aristokraten, was ihn ewig zwischen zwei Nationalitäten und Kulturen hin- und hergerissen macht.
Der Roman beginnt am Vorabend und während des Septemberfeldzugs 1939, als Deutschland in Polen einmarschiert. Konstanty, ein Reserveoffizier, nimmt widerwillig am Krieg teil und wird nach der Niederlage in eine geheime Widerstandsorganisation aufgenommen. Doch er glaubt nicht an Ideale – Gott, Ehre, Vaterland –, für ihn ist all das zweitrangig gegenüber der nächsten Morphiumdosis und der Möglichkeit, sein dekadentes, ausschweifendes Leben als Dandy der Vorkriegszeit fortzusetzen. Die Geschichte lässt ihn natürlich nicht in Ruhe; der Krieg stürzt ihn in moralische Dilemmata, Gewalt und Chaos des besetzten Warschau.
Twardoch schildert meisterhaft die instabile Identität des Protagonisten: Jede Frau in seinem Leben (nymphomanische Mutter, Ehefrau, Geliebte) prägt ihn auf unterschiedliche Weise, so wie ihn die Geschichte zwingt, sich zwischen Pole und Deutscher zu entscheiden. Der Roman ist radikal, sprachlich reichhaltig, manisch und düster – eine Mischung aus historischem Roman, Psychothriller und Elementen des magischen Realismus. Der Protagonist ist ein klassischer Antiheld: abstoßend, zynisch, schwach, aber zugleich unwiderstehlich und zutiefst menschlich.
Das Buch entmystifiziert den polnischen Nationalmythos des Heldentums und zeigt die Schwäche, den Opportunismus und das Chaos des Krieges durch die Linse eines einzelnen, schwachen Individuums. Zugleich ist es eine universelle Geschichte über die Suche nach Identität, Sucht (nicht nur nach Substanzen, sondern auch nach Frauen, gesellschaftlichen Rollen und Geschichte) und die Unmöglichkeit, den großen Ereignissen zu entkommen.
„Morphin“ brachte Twardoch großen Erfolg (u. a. den Paszport Polityki-Preis) und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Es gilt als einer der eindringlichsten polnischen Romane über den Zweiten Weltkrieg. In der kroatischen Übersetzung von Emil Nuić behielt das Buch seine rohe Kraft und erlangte in der Region große Bekanntheit. Eine ideale Lektüre für Liebhaber intensiver, schonungsloser und stilistisch brillanter Prosa.
Jedan primjerak je u ponudi





