
Grad sunca
Die Stadt der Sonne (lateinisch: Civitas Solis, erschienen 1623) ist eine visionäre, esoterische, fast mystische Utopie, die tief vom Geist der Renaissance, der ägyptischen Astrologie und der christlichen Hoffnung auf eine perfekte Gesellschaft durchdrung
Campanella, ein Dominikaner, Philosoph, Dichter und Rebell, schrieb das Werk im Gefängnis, nachdem er gefoltert und wegen Ketzerei und Verschwörung gegen die Spanier zum Tode verurteilt worden war. Es entsprang seinem Leiden als Traum von einer Welt ohne Tyrannei, Armut und Unwissenheit.
Die Geschichte ist als Dialog angelegt: Ein genuesischer Seemann erzählt einem Johanniter von seiner Reise zur wundersamen Sonnenstadt, die auf einem Hügel nahe dem Äquator liegt und von sieben konzentrischen Mauern umgeben ist, die nach den Planeten benannt sind (Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Mond, Sonne). Auf dem Gipfel des Hügels steht ein der Sonne geweihter Tempel – ein Symbol göttlicher Weisheit und natürlicher Religion. Die Stadt ist ein Mikrokosmos: mathematisch perfekt, kosmisch im Einklang, wo alles der Harmonie des Universums untergeordnet ist.
In dieser Stadt gibt es kein Privateigentum – Land, Häuser, Nahrung, selbst Frauen und Kinder werden geteilt. Jeder arbeitet vier Stunden am Tag, die restliche Zeit ist dem Lernen, der Kunst, der Bewegung und dem Gebet gewidmet. Bildung beginnt mit der Geburt: Kinder lernen von den Bildern an den Wänden (die ganze Stadt ist eine lebendige Enzyklopädie – die Wände sind mit Darstellungen von Wissenschaft, Geschichte, Tieren und Pflanzen bemalt). Ehen werden nach Eugenik und Astrologie arrangiert, und die Liebe ist dem Gemeinwohl untergeordnet. Die Macht liegt in den Händen dreier Herrscher: Macht (Heer), Weisheit (Wissenschaft) und Liebe (Gesundheit, Fortpflanzung) – über ihnen steht der Sonnenpriester, ein erleuchteter Herrscher, der Vernunft und Glauben vereint.
Campanella vermischt Platon, Christentum, pythagoreische Numerologie und Renaissance-Wissenschaft: Die Astrologie bestimmt die Zeit für Aussaat, Hochzeiten und Kriege; die Religion ist natürlich, ohne Dogmen, und durch Sonne und Sterne auf Gott ausgerichtet. Es gibt keine Armut, keinen Neid, keinen Krieg – alles steht im Einklang mit Natur und Kosmos.
Die Sonnenstadt ist keine kalte Dystopie; sie ist ein warmer, fast poetischer Traum von der Menschheit, die den Egoismus überwindet. Campanella glaubte, eine solche Stadt sei möglich – wenn sich die Menschen der Vernunft, der Natur und Gott zuwendeten. Sein Werk beeinflusste spätere Utopien, aber auch Denker wie Campanella selbst, der von einer universalen Monarchie unter dem Papst träumte.
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