
Gorgija: O sofistima
Platons Dialog „Gorgias“ (um 380 v. Chr.), in dem Sokrates mit Gorgias, Polus und Kallikles über das Wesen der Rhetorik, der Macht, der Gerechtigkeit und des guten Lebens debattiert. Eine scharfe Kritik an den Sophisten und ihrer Redekunst, die sie als Sc
Gorgias (manchmal auch Über die Rhetorik oder Über die Sophisten genannt) ist einer der wichtigsten Dialoge Platons aus der mittleren Periode. Er entstand um 380 v. Chr. und gehört zu den sogenannten sokratischen Dialogen, in denen Platon seine Philosophie anhand der Figur des Sokrates entwickelt.
Der Dialog ist in drei Hauptteile gegliedert, entsprechend den Gesprächspartnern: Sokrates – Gorgias:
Gorgias, ein berühmter sizilianischer Sophist und Rhetoriklehrer, preist seine Kunst der Überredung als diejenige, die Macht in der Stadt verleiht. Sokrates zwingt ihn zuzugeben, dass Rhetorik nur Glauben (doxa), nicht aber Erkenntnis (episteme) hervorbringt und dass er sich mit Fragen der Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit befasst, ohne diese tatsächlich zu kennen.
Sokrates – Polus: Gorgias’ junger Schüler verteidigt die These, dass es besser sei, Unrecht zu tun, als Unrecht zu erleiden, da Macht Glück bringe. Sokrates argumentiert und zeigt, dass Unrecht zu tun für die Seele schlimmer ist als Unrecht zu erleiden und dass Gerechtigkeit besser ist als Macht und Vergnügen.
Sokrates – Kallikles: Der intensivste und längste Teil. Kallikles, ein ehrgeiziger Politiker, vertritt einen radikalen Naturalismus: Es sei natürlich, dass die Stärkeren über die Schwächeren herrschen, und „Gerechtigkeit“ sei lediglich eine Konvention der Schwachen. Er preist unbegrenztes Vergnügen und Macht. Sokrates entgegnet ihm, dass das Glück in der Ordnung der Seele, in Mäßigung (Sophrosyne) und Gerechtigkeit liege und nicht in unersättlicher Lust.
Platon kritisiert hier die Sophisten scharf als professionelle Rhetoriklehrer, die die Kunst der Überredung ohne Rücksicht auf Wahrheit und Moral verkaufen. Rhetorik wird als Kolakeia (Schmeichelei) dargestellt, eine trügerische Kunst, vergleichbar mit Kochen oder Kosmetik – auf Vergnügen ausgerichtet, nicht auf das Wohl der Seele. Die wahren Künste (Techne) hingegen sind jene, die sich mit dem Guten befassen: Medizin für den Körper, Gerechtigkeit und Gesetzgebung für die Seele.
Zentrale Themen des Dialogs sind das Verhältnis von Rhetorik und Philosophie, das Wesen der Macht, Gerechtigkeit versus Vergnügen, ein authentisches Leben, Strafe als Heilung der Seele und der Mythos vom Seelengericht am Ende des Dialogs (der auf Unsterblichkeit und posthume Gerechtigkeit hindeutet).
Der Gorgias ist eine kraftvolle Verteidigung der philosophischen Lebensweise gegen politischen Pragmatismus und sophistischen Relativismus. Er hat die gesamte westliche Ethik und politische Philosophie beeinflusst. Der Dialog ist dynamisch, polemisch und dramatisch – einer von Platons lesbarsten und wirkungsvollsten Texten.
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