
"Du bist nicht so wie andre Mütter"
Ein autobiografischer Roman über die ungewöhnliche Mutter Elsa, eine jüdische Intellektuelle aus Berlin, deren turbulentes Leben, Lieben und freie Entscheidungen das Schicksal ihrer Familie am Vorabend des Nationalsozialismus prägen.
Du bist nicht wie die anderen Mütter ist Angelika Schrobsdorffs bekanntestes Werk und ein stark autobiografischer Roman, der auf dem Leben ihrer Mutter Else Kirschner basiert, einer außergewöhnlichen Frau aus dem bürgerlichen und künstlerischen Milieu Berlins. Else ist schön, charismatisch, impulsiv und völlig anders als das Bild der „Vorzeigemutter“ ihrer Zeit – sie liebt leidenschaftlich, lebt nach ihren eigenen Regeln und weigert sich, sich gesellschaftlichen Erwartungen anzupassen.
Durch ihr Leben erweckt der Roman Berlin der 1920er und 1930er Jahre zum Leben, die Welt des jüdischen Bürgertums, die Bohème-Kreise, Liebesaffären, Familienzerfälle und das allmähliche Herannahen einer politischen Katastrophe. Gerade in dieser Verbindung von Privatem und Historischem liegt die Einzigartigkeit des Buches: Die Geschichte einer Mutter wird nicht idealisiert, sondern mit all ihren Widersprüchen – Leidenschaft, Eitelkeit, Mut, Verletzlichkeit und Egoismus – dargestellt. Deshalb ist „Else“ zugleich faszinierend und schwierig, nahbar und unergründlich.
Der Roman gewinnt an zusätzlicher Kraft dadurch, dass die Autorin über ihre eigene Familie schreibt. So trägt der Text die emotionale Dichte einer Autobiografie, aber auch die Weite eines historischen Romans. Es ist nicht nur die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, sondern auch eine Geschichte über jüdische Identität, die Freiheit der Frau, Assimilation, Liebe und den Zerfall einer Welt unter dem Druck des Nationalsozialismus. Aufgrund seines ausdrucksstarken Stils und seiner markanten Hauptfigur gilt das Buch als ein bedeutendes Werk der deutschen autobiografischen und Familienliteratur.
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