
Eine Zierde in ihrem Hause: Die Geschichte der Ottilie von Faber-Castell
Die sechzehnjährige Ottilie von Faber erbt 1893 die Bleistiftfabrik A. W. Faber. Dem Willen ihres Großvaters folgend, heiratet sie ohne Liebe, und nach fünf Geburten und zwanzig Jahren verlässt sie die Ehe für eine heimliche Liebe – zu einem hohen Preis.
Der Roman beginnt 1893, als Ottilie von Faber, ein schönes und melancholisches Mädchen, das in einem Mädchenpensionat lebt, vom Tod ihres Vaters erfährt und dass sie laut Testament ihres Großvaters die Bleistiftfabrik A. W. Faber erben soll. Gleichzeitig bittet ihr Großvater sie, nicht aus Liebe, sondern wegen des Mannes zu heiraten, der das Unternehmen leiten soll. Gehorsam und loyal willigt Ottilie ein und heiratet 1898 Graf Alexander zu Castell-Rüdenhausen, einen Adligen, der umgehend die Leitung des Unternehmens übernimmt.
Ihr Leben beschränkt sich fortan auf die Führung des Hofhaushalts, die Geburt ihrer fünf Kinder und die Gründung karitativer Einrichtungen. Im Schatten religiöser Moralvorstellungen und aristokratischer Verpflichtungen bleiben ihre eigenen Wünsche und Hoffnungen unerkannt. Doch unter der Oberfläche der ruhigen Hausfrau schlummert eine lange unterdrückte Liebe zu dem Mann, den Ottilie seit über zwanzig Jahren heimlich liebt.
Erst mit 41 Jahren, nach fünf Geburten und Jahrzehnten passiver Unterwerfung, beschließt Ottilie, ihre Gefühle öffentlich zu bekennen. 1918 lässt sie sich von ihrem Mann scheiden und geht mit Philip von Brand zusammen, dem Mann, der all die Jahre auf sie gewartet hat. Dafür zahlt sie den höchsten Preis: Sie verliert ihren Anteil an einem wertvollen Unternehmen, kämpft jahrelang vor Gericht um Unterhalt und wird von ihrer Familie zum schwarzen Schaf erklärt. Dennoch verbringt sie weitere 17 friedliche Jahre mit ihrem geliebten Mann, und ihre Tochter schreibt in einem Brief, dass ihre Ehe die erfüllendste war, die sie je gekannt hat.
Basierend auf Archivrecherchen und Interviews mit der damaligen Unternehmensleitung zeichnet Scheib das Bild einer Frau, gefangen zwischen väterlicher Autorität, ehelicher Pflicht und gesellschaftlicher Moral – einer Frau, die sich letztlich für die Liebe entschied, auch wenn es sie ihr Vermögen und den Familienfrieden kostete.
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