
Mr. Vertigo
Eine romanhafte Auseinandersetzung mit einem der wichtigsten Phänomene des 20. Jahrhunderts: dem Fortschritt. Paul Austers achter Roman, „Mr. Vertigo“, entführt uns in die jüngere amerikanische Vergangenheit, in die späten 1920er-Jahre.
Es ist zunächst eine gewöhnliche Geschichte über Walt, einen intelligenten Straßenjungen. Walt, ein Waisenkind, hat auf den trostlosen Straßen der Stadt nichts mehr, als er eines Tages seinem zukünftigen Fluglehrer, Meister Yehudi, begegnet. So beginnt ein neues, unglaubliches Leben, in dem sich der Neunjährige in eine Art urbanen Peter Pan verwandelt, oder besser noch, in einen schwebenden Huckleberry Finn. Sein Mentor, Meister Yehudi, angeblich ein Jude aus Budapest, ist ein überzeugendes Symbol für jenes alte, verdrehte Amerika à la Dylan.
Wie in seinen anderen Romanen spielt Paul Auster auch in „Mr. Vertigo“ gekonnt mit der amerikanischen Mythologie und verwebt geschickt fiktive historische Zufälle in die Handlung (so fällt Walts erste Levitation beispielsweise mit Lindberghs Atlantiküberquerung zusammen). Walt, der so schnell fliegen lernte und zum Medienstar avancierte, erkrankt umso schneller an einer für seine Arbeit tödlichen Krankheit: Schwindel. Und derselbe Meister Yehudi, der Walt so erfolgreich in die Welt der Levitation eingeführt hat, muss den Jungen in die Realität zurückführen, als der Zauber des Fliegens endgültig verfliegt.
Obwohl „Mr. Vertigo“ ein eindrucksvolles Bild des amerikanischen Lebens der 1920er-Jahre zeichnet, hat Auster auch diesmal keine epische Geschichte geschrieben. Für ihn sind die 1920er-Jahre in Amerika lediglich Ausgangspunkt für eine neuartige Auseinandersetzung mit einem der wichtigsten Phänomene des 20. Jahrhunderts: dem Fortschritt. Walts Ruhm sowie der Ruhm des Fortschritts in dem Roman Mr. "Vertigo" (der vor zehn Jahren Premiere feierte) werden sehr kurz, aber so unvorstellbar schmerzhaft sein, dass ihn niemand jemals vergessen wird.
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