
Titostalgija
Der Autor untersucht, warum Tito trotz kritischer Blicke auf sein Regime weiterhin ein populäres Symbol für Stabilität, soziale Sicherheit und Unabhängigkeit ist. Das Buch analysiert die kulturellen, politischen und alltäglichen Erscheinungsformen der „Ti
Titostalgie – Eine Studie zur Nostalgie für Josip Broz ist eine soziokulturelle Studie des slowenischen Professors Mitja Velikonja, einem der führenden Forscher auf dem Gebiet der postsozialistischen Nostalgie und der Jugostalgie. Der Autor befasst sich nicht mit Titos Biografie oder seiner historischen Rolle, sondern mit dem Phänomen der posthumen Nostalgie – der „Titostalgie“ –, die nach dem Zerfall Jugoslawiens 1991 und den Übergangskrisen der 1990er-Jahre entstand.
Das Buch ist in fünf Kapitel sowie eine Einleitung, ein Fazit und ein Literaturverzeichnis gegliedert: Die Einleitung „Josip Broz ist durch und durch gut“ (inspiriert von Alltagsbeispielen wie Titos Bild auf Zucker in einem Café) kartiert Nostalgie und Forschungsansätze, die Kultur der Titostalgie (Tito als lebende Legende), ihre Erscheinungsformen in Populärkultur, Politik, Medien und Alltag sowie eine Analyse der Gründe, warum Tito für viele eine positive Symbolfigur bleibt (Stabilität, soziale Gerechtigkeit, Unabhängigkeit von Blöcken, Wohlstand).
Velikonja unterscheidet die Titostalgie von der klassischen Nostalgie: Sie ist nicht bloß die Erinnerung an die Vergangenheit, sondern eine Neuinterpretation und Idealisierung – jüngere Generationen, die nicht in Jugoslawien gelebt haben, zeigen Nostalgie für „bessere Zeiten“. Das Phänomen ist in allen ehemaligen jugoslawischen Republiken präsent, jedoch mit unterschiedlicher Intensität (stärker in Serbien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro; subtiler in Slowenien und Kroatien). Das Buch verwendet empirische Beispiele: Graffiti, Souvenirs, Musik, Filme, politische Kampagnen, Umfragen und Mediendiskurse.
Der Stil ist wissenschaftlich, aber verständlich – er kritisiert Vereinfachungen (z. B. die Annahme, Titostalgie sei lediglich Manipulation oder Retrokommunismus) und betont ihr emanzipatorisches Potenzial als Kritik am Übergangskapitalismus, an Armut und am Verlust sozialer Sicherheit. Es zählt zu den wichtigsten Werken zur Jugoslawien-Syndikation und beeinflusst die weitere Forschung (z. B. zu Rockmusik, Kunst und Medien).
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