
Konformist
Marcello Clerici, der nach einer traumatischen Kindheit und einem homosexuellen Übergriff nach Normalität dürstete, wurde ein faschistischer Bürokrat. Er heiratete die durchschnittliche Giulia, und während ihrer „Flitterwochen“ in Paris erhielt er den Auf
Der Konformist ist einer der wichtigsten politisch-psychologischen Romane von Alberto Moravia und erschien 1951. Er ist inspiriert von der realen Ermordung der antifaschistischen Familie Rosselli (Moravias Verwandte) durch Faschisten im Frankreich des Jahres 1937. Der Roman gliedert sich in einen Prolog (Kindheit), einen Hauptteil (Erwachsenenalter) und einen Epilog (Nachkriegszeit).
Die Hauptfigur, Marcello Clerici, ist ein junger Mann aus dem römischen Bürgertum, der unter einem tiefen Gefühl der Andersartigkeit leidet. Als Kind erlebt er die Gewalt seines Vaters (der dem Wahnsinn verfällt), die Kälte seiner Mutter und einen versuchten sexuellen Missbrauch durch Lino (einen ehemaligen Priester). In Panik erschießt er Lino, im Glauben, ihn getötet zu haben – ein Ereignis, das ihn mit dem Trauma der Andersartigkeit und Schuldgefühlen prägt. Sein ganzes Leben lang versucht er, „normal“ zu werden: Er betrachtet den Faschismus als ein System, das Uniformität verspricht, heiratet die gewöhnliche, durchschnittliche Giulia (die kleinbürgerliche Sicherheit symbolisiert), arbeitet im Außenministerium und gibt sich als perfekter Bürger.
Als der faschistische Geheimdienst ihm befiehlt, den ehemaligen Professor Quadri (einen im Exil lebenden Antifaschisten) in Paris zu liquidieren, nutzt Marcello seine Flitterwochen mit Giulia als Tarnung. In Paris trifft er Quadri und dessen junge, sinnliche Frau Lina (Anna), in die er sich verliebt – doch diese Liebe ist ambivalent, eine Mischung aus Anziehung und dem Wunsch, sie zu „normalisieren“. Die Mission gipfelt in der Ermordung von Quadri und Lina im Wald nahe der Grenze – die Gewalt wird als chaotisch, erfolglos und erbärmlich dargestellt.
Der Epilog spielt 1944, nach dem Fall des Faschismus: Marcello, nun in Angst, begegnet Lina (die überlebt hat) und erkennt, dass seine „Normalität“ eine Illusion war – er war in Wirklichkeit aus Angst ein Konformist, und der Faschismus verstärkte nur seine innere Leere und seinen moralischen Verfall.
Moravia seziert hier die Psychologie des Faschismus: Konformität ist kein passiver Gehorsam, sondern eine aktive Leidenschaft für Uniformität, eine Flucht vor Individualität und sexueller/existenzieller „Abnormität“. Marcello ist Moravias typischer Antiheld – entfremdet, unfähig zu Authentizität, gefangen in falschen Rollen. Der Roman kritisiert Bourgeoisie und Totalitarismus durch ein intimes psychologisches Drama, das sexuelle Unterdrückung mit politischem Opportunismus verknüpft.
Das Werk beeinflusste Bertoluccis Film von 1970 (mit Trintignant), der die visuelle und erotische Dimension verstärkte. Der Konformist bleibt ein eindringliches Porträt davon, wie die Angst vor sich selbst zu Kriminalität und Identitätsverlust führen kann.
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