
Freidenker / Statuten des Freidenker / Enthüllungen aus der geistlichen Welt / Offener Brief an den katholischen Klerus... / Luzifer. Eine Bombe der Wahrheit...
Ein interessantes und äußerst seltenes antiklerikales Gesamtwerk: ein vollständiges Set der Grazer Zeitschrift „Freidenker“ (1869–1871) mit den Statuten des Freidenker-Vereins und drei antiklerikalen Broschüren – eine wichtige Quelle des frühen österreich
Dieser Band aus Osijek präsentiert eine äußerst interessante und nahezu vollständige Sammlung der Werke von Michael Biron – ehemaligem Priester und Krankenhausseelsorger –, dem Organisator der ersten Freidenkerbewegung in Österreich. Der Band ist nicht bloß eine Sammlung unzusammenhängender Publikationen, sondern ein logisch komplexes Ganzes, das die Entwicklung seiner Bewegung von den organisatorischen Anfängen über die öffentliche Propaganda bis hin zum offenen Konflikt mit der katholischen Kirche und seiner Verbannung aus Österreich nachzeichnet.
1.) „Freidenker. Blätter für Humanität, Aufklärung und Bildung“ (Ausgaben 1–30, 1869–1871): Der erste und umfangreichste Teil des Bandes besteht aus allen dreißig Ausgaben der Zeitschrift „Freidenker“ (480 Seiten), dem offiziellen Newsletter der „Freidenker Gesellschaft“ in Graz. Biron gründete sie 1869 mit dem Ziel, Menschlichkeit, Bildung, Gewissensfreiheit und kritisches Denken zu fördern. Freidenker hatte im Februar 1870 eine Auflage von rund 1.500 Exemplaren, was für eine radikale Zeitung in einer Provinzstadt zu jener Zeit sehr respektabel war.
2.) Statuten des Freidenker-Vereins in Graz (1869): Im Anschluss an die Zeitschrift folgte die Satzung des Vereins, eine Art Verfassung der Organisation. Sie ist heute besonders interessant, da sie zeigt, wie gemäßigt und legalistisch die Bewegung zu Beginn war, mit dem erklärten Ziel, in Graz „für Humanität, Aufklärung und Bildung“ zu arbeiten. Die Organisation war demokratisch organisiert, und sowohl Männer als auch Frauen konnten Mitglieder sein, was für das Jahr 1869 recht fortschrittlich war.
3.) Offener Brief an den katholischen Klerus und an alle Katholiken (7. Auflage, um 1870). Diese Broschüre stellt Birons öffentliche Auseinandersetzung mit der Institution dar, der er einst angehörte. Das Werk ist wichtig, weil es den Übergang von organisatorischer Arbeit zu offener öffentlicher Kritik an der Kirche aufzeigt.
4.) Enthüllungen aus der geistlichen Welt (Offenbarungen aus der priesterlichen Welt) – Graz 1870, dritte Auflage. Dieses Buch ist vermutlich Birons persönlichstes Werk und vereint Elemente von Memoiren, Bekenntnis und Gesellschaftskritik. Der Titel bezieht sich nicht auf die „geistliche Welt“ im mystischen Sinne, sondern auf die Welt des Klerus und der kirchlichen Institutionen. Birons Kritik an Kirche und Klerus ist interessant, da sie von einem Mann stammt, der lange Zeit Teil des Systems war, das er nun beschreibt.
5.) Lucifer. Eine Bombe der Wahrheit im römischen Konzil oder Verteidigung der Religion des reinen Menschenthums (Lucifer. Eine Bombe der Wahrheit im römischen Konzil oder die Verteidigung der Religion des reinen Menschenthums) – Graz, Leykam 1870, 46 S.; im Exemplar bis S. 40 fehlen die letzten 6 Seiten. Das letzte Werk im Einband markiert den Höhepunkt von Birons ideologischem Kampf. Es entstand zur Zeit des Ersten Vatikanischen Konzils (1869–1870), als das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit verkündet wurde.
Im Gegensatz zum gemäßigten Ton der Statuten der Gesellschaft ist Luzifer ein ausgesprochen polemisches und kämpferisches Werk. Es zeigt deutlich, warum Biron zu einer der umstrittensten Figuren der österreichischen Freidenkerbewegung wurde.
In seiner Gesamtheit präsentiert dieser Band nahezu die gesamte intellektuelle Biografie Michael Birons zwischen 1869 und 1871. Daher kann dieses Exemplar aus Osijek als eine Art kleine Bibliothek des österreichischen Freidenkertums der Wende von den 1860er zu den 1870er Jahren betrachtet werden.
Das Buch besteht aus 9 Bänden.
Angeboten wird ein Exemplar.

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