
Ulizica
„Der Schmeichler“, einer der späteren Romane von Françoise Sagan, erzählt die Geschichte des einfachen Buchhalters Guéret, der von einer Leidenschaft für eine junge, geheimnisvolle Frau und deren falschen Illusionen über ihn besessen wird.
In der kleinen Industriestadt Cardin in Nordfrankreich begegnet der bescheidene und unauffällige Buchhalter Guéret einem streunenden Hund, der ihm jeden Abend nach Hause folgt. Doch die wirkliche Veränderung kommt, als er die junge und verführerische Élisabeth kennenlernt, die in ihm etwas sieht, was er selbst nie war – einen starken, interessanten, fast schon heldenhaften Mann.
Guéret, bis dahin ein passiver und durchschnittlicher Mann, beginnt, sich in der Illusion des Blicks anderer zu verlieren. Diese Illusion verändert ihn langsam und weckt in ihm Leidenschaft, Eifersucht, Mut, aber auch gefährliche Obsessionen. Sagan zeigt meisterhaft, wie die Wahrnehmung anderer die Identität prägen kann und wie Liebe, die auf falschen Annahmen beruht, zerstörerisch und tragisch wird.
Wie in den meisten seiner Werke seziert Sagan bürgerliche Langeweile, Einsamkeit, Sexualität und die Lügen, die Menschen sich selbst und anderen erzählen. Der Roman ist kürzer, konzentrierter und besticht durch ihren unverkennbar eleganten, zynischen und melancholischen Stil – voller subtiler psychologischer Analysen und der bedrückenden Atmosphäre des grauen, regnerischen Provinzlebens.
Der Schmeichler ist ein intimes Drama über Transformation durch die Augen eines anderen, über die Macht der Illusion und den Preis, den wir zahlen, wenn wir versuchen, jemand anderes zu werden. Ein typischer Sagan-Roman für alle, die ihre raffinierte, leicht zynische Prosa über Liebe, Lust und Selbsttäuschung schätzen.
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