
Griseldis
Die junge Griseldis von Ronach tritt eine Stelle als Gouvernante auf Schloss Treuenfels an. Dort begegnet sie dem einsamen Grafen Harr, der im Verdacht steht, seine Frau vergiftet zu haben. Sie verliebt sich in ihn und beschließt, seine Unschuld zu beweis
Griseldis ist ein Roman von Hedwig Courths-Mahler aus den Jahren 1916/1917 und ein typisches Beispiel für ihr umfangreiches Werk an Unterhaltungsliteratur – eine Mischung aus Liebesromanen, Kriminalromanen und Schauerromanen. Courths-Mahler (1867–1950), eine der produktivsten und meistgelesenen deutschen Schriftstellerinnen mit über 200 Werken, greift hier das Motiv von Treue und Leid auf, das sie aus der Geschichte von Griseldis in Boccaccios Decameron kennt, verlegt es aber in das Milieu des deutschen Adels zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Die Handlung spielt auf dem abgelegenen Schloss Treuenfels. Graf Harro von Treuenfels steht unter Verdacht, seine launische und untreue Frau Alice vergiftet zu haben. Sie wird tot im Bett aufgefunden. Vergiftet wurde sie mit indischem Gift, das der Graf von seinen Reisen mitgebracht hatte. Obwohl er mangels Beweisen vom Gericht freigesprochen wird, meidet ihn die gesamte Gesellschaft und hält ihn für schuldig. Nur seine kleine Tochter Gilda und seine Cousine Beate, eine alte Jungfer, die ihn heimlich innig liebt, bleiben bei ihm.
In dieser Atmosphäre trifft eine neue Gouvernante auf dem Schloss ein – die junge, schöne, kluge und lebensfrohe Griseldis von Ronach, eine arme, freie Adlige, die nach dem Tod ihres Vaters Arbeit suchen musste. Sie hatte bereits von Harros Geschichte gehört und sich durch ein Foto in ihn verliebt. Vom ersten Augenblick an glaubt sie an seine Unschuld und wird zu einem Lichtblick im düsteren Schloss. Harro verliebt sich bald in sie, und Griseldis beschließt, den Mordfall aktiv aufzuklären.
Der Roman verwebt gekonnt eine Liebesgeschichte mit einer Kriminalermittlung: Griseldis entdeckt, von einem Traum geleitet, geheime Gänge im Schloss, verborgene Schächte und alte Baugeheimnisse. Nach und nach enthüllt sie den wahren Täter … Gleichzeitig kämpft sie mit gesellschaftlichen Vorurteilen, Harros Selbstzweifeln und ihren eigenen Gefühlen. Als typische Courths-Mahler-Heldin wird Griseldis idealisiert: schön, moralisch, mutig, loyal und opferbereit.
Das Werk ist typisch für die Autorin – sentimental, mit einer klaren Trennung in Gut und Böse, einem Happy End und der Betonung des Triumphs von Liebe, Treue und Gerechtigkeit. Kritiker stufen es als triviale Literatur ein, doch die Leser liebten es gerade wegen seiner Flucht aus dem Alltag, der romantischen Atmosphäre der Schlösser und der tröstlichen Botschaft vom letztendlichen Sieg des Guten. Der Roman erlebte mehrere Auflagen und wurde 1974 mit Sabine Sinjen in der Hauptrolle verfilmt.
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- Spuren von Patina
- Die Abdeckung fehlt





