
Bijeg
Ein psychologischer Roman über den Niedergang des hochbegabten Intellektuellen Đuro Andrijašević, der vor der Realität flieht, aber weder in der Stadt noch auf dem Land Erlösung findet. Ein Klassiker der kroatischen Moderne (1909).
Die 1996 erschienene Ausgabe, eine Bearbeitung der Fassung von 1917, hat einen der bedeutendsten Romane der kroatischen Literaturmoderne neu interpretiert. Das Werk erschien erstmals 1909 und gilt als der beste Roman der kroatischen Moderne.
Der Roman erzählt die Geschichte von Đuro Andrijašević, einem begabten, aber emotional labilen jungen Intellektuellen. Die Handlung beginnt in der Zugfahrt, mit der Đuro von Wien nach Slawonien zurückkehrt, und wird größtenteils durch seine Erinnerungen, Tagebucheinträge und inneren Monologe geschildert. Der Leser begleitet ihn durch seine Kindheit in Senj, seine Ausbildung in Rijeka und Wien, seine Studienzeit, seine Liebesbeziehungen (zu Zora und Vera), finanzielle und existenzielle Krisen und schließlich sein Leben als Provinzprofessor in Senj.
Nehajev gelingt es meisterhaft, die Defabularisierung darzustellen – die Handlung verläuft langsamer, und der Schwerpunkt liegt auf der psychologischen Analyse, dem Bewusstseinszustand und den inneren Konflikten der Hauptfigur. Đuro ist ein typischer „überflüssiger Mensch“ der Moderne: talentiert, sensibel, voller Ideale, aber unfähig, sich der Realität des kleinbürgerlichen Milieus, finanziellen Problemen und gesellschaftlichen Erwartungen zu stellen. Seine Flucht vor der Realität (in Alkohol, Literatur, Liebe oder die Provinz) endet tragisch – in Niedergang und völliger Impotenz.
Das Werk enthält starke autobiografische Elemente (Nehajev studierte wie Đuro in Wien, lebte in der Provinz und kämpfte mit inneren Krisen). Es vereint Gesellschaftskritik, psychologische Tiefe und moderne Erzähltechniken (Monologe, Briefe, Tagebuch). Kritiker vergleichen es oft mit den Werken von Turgenew, Flaubert und Gontscharow (Oblomow).
Heute gilt „Die Flucht“ als Klassiker und eines der repräsentativsten Werke, das die Krise des Intellektuellen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in der kroatischen Gesellschaft schildert. Mit diesem Roman hinterließ Nehajev (1880–1931) als prominenter Vertreter der kroatischen Moderne – als Romancier, Dramatiker und Kritiker – einen tiefen Eindruck.
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