
Mornings in Mexico / Etruscan Places
Zwei Meisterwerke der Reiseprosa, in denen D. H. Lawrence Begegnungen mit der mexikanischen Natur und indianischen Ritualen sowie etruskischen Gräbern und Kunstwerken schildert und sie der modernen mechanisierten Zivilisation gegenüberstellt.
Dieser Sammelband von D. H. Lawrence vereint zwei seiner berühmtesten Reiseberichte und bildet in seiner Suche nach dem „Leben“ ein Ganzes. Morgen in Mexiko (1927) entstand während Lawrences Aufenthalten in Mexiko und New Mexico in den 1920er Jahren, während Etruskische Orte (1932) sein letztes großes Werk ist, das er 1927, kurz vor seinem Tod, auf einer Reise nach Etrurien verfasste.
In Morgen in Mexiko schildert Lawrence die Morgenstunden in Oaxaca und Umgebung mit poetischer Präzision. Er beschreibt lebhafte Märkte, Papageien, indianische Tänze (wie den „Tanz des sprießenden Maises“), Bräuche und das Verhältnis der Einheimischen zu Natur und Zeit. Es ist kein klassischer Reisebericht mit historischen Fakten, sondern ein zutiefst persönliches, sinnliches Erlebnis. Lawrence spürt die „dunkle“ Vitalität der indigenen Welt – eine Mischung aus Schönheit und Brutalität, Reinheit und Dunkelheit –, die im Kontrast zur weißen, industriellen Zivilisation steht. Er steht dem spanischen Erbe und der Modernisierung kritisch gegenüber und ist fasziniert vom Rhythmus der Natur und dem Körper, der noch nicht von der Erde entfremdet ist. Sein Stil ist impressionistisch: Farben, Gerüche, Bewegungen und innere Unruhe verschmelzen zu hypnotischer Prosa.
Etruskische Stätten ist noch intimer und philosophischer. Lawrence besucht Cerveteri, Tarquinia, Vulci und Volterra, betritt bemalte Gräber und interpretiert die etruskische Kunst als Botschaft des Lebens. Er sieht die Etrusker als ein Volk, das den Körper, die Sexualität, die Fruchtbarkeit und die Lebensfreude feierte – im Gegensatz zur römischen Gewalt und dem faschistischen Italien der Mussolini-Ära, die er im Hintergrund wahrnimmt. Für ihn sind die Gräber keine Orte des Todes, sondern Heiligtümer des Lebens – Fresken mit Tänzern, Tieren und Festen zeugen von dem „freien, kühnen und frischen“ Geist, den der moderne Mensch verloren hat. Lawrence entwickelt hier seine Philosophie: eine Kritik am mechanisierten Europa, ein Loblied auf die heidnische Vitalität und der Glaube an die Erneuerung durch die Begegnung mit den Alten. Das Buch ist zugleich Reisebericht, Kunstkritik und spirituelles Vermächtnis.
Beide Werke verbindet Lawrences Faszination für das Menschliche im Gegensatz zu Geist und Maschine. In Mexiko sucht er nach einer lebendigen Urkraft, in Etrurien nach ihren verlorenen, aber noch immer erkennbaren Spuren in der Kunst. Sein Stil ist reichhaltig, mitunter exzentrisch, stets leidenschaftlich: Landschaft, Menschen und Artefakte werden zu Symbolen des inneren Zustands Europas und der Menschheit selbst. Der Leser erhält keine objektiven Informationen, sondern Lawrences subjektive Begeisterung – eine Mischung aus Bewunderung, Nostalgie und Wut auf die Moderne.
Dieses Buch ist ideal für Liebhaber von Reiseberichten, die Genregrenzen überschreiten und zu philosophischen Betrachtungen werden. Lawrence beschreibt Orte nicht nur – er erlebt sie, kritisiert die Zivilisation und ruft zur Rückkehr zu den Wurzeln körperlicher und geistiger Freiheit auf. Das Werk ist auch heute noch frisch, provokant und poetisch kraftvoll.
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