
Crnac
Der Roman „Der schwarze Mann“ beginnt mit dem Satz: „Das Haus, in dem wir wohnten, war aus Holz.“ Holzhäuser sind Märchen und Kindergeschichten vorbehalten.
Die Autorin schreibt tatsächlich über die Kindheit, eine Kindheit, die ihre eigene sein könnte, doch die Erzählerin hat keinen Namen, ebenso wenig wie das Dorf, in dem sie lebt, oder die Stadt, in der sie studiert. Der Roman besteht aus kurzen Fragmenten, die sich mal wie Kurzgeschichten, mal wie Erinnerungsfetzen, mal wie Prosagedichte lesen. In der Kindheit der Erzählerin finden sich keine märchenhaften Elemente, ganz im Gegenteil. In den Vororten einer für ihre Schwerindustrie bekannten Provinzstadt wächst das Kind umgeben von Armut, Provinzialismus und der unterschwelligen Angst vor Menschen auf, die ein leeres Leben führen. Auch der Umzug zum Studium in eine Großstadt ändert daran nichts. Die Straßen sind größer, etwas besser beleuchtet, doch Menschen mit „leeren Blicken“ folgen ihr weiterhin. Gromača schreibt über dieselbe osteuropäische Armut wie Slavenka Drakulić, über dieselbe Haltung gegenüber Frauen wie Dubravka Ugrešić, doch ihre Prosafragmente stehen Danilo Kiš’ Roman „Der Garten, die Asche“, Milan Kunderas „Der Witz“, Agota Kristofs „Das große Notizbuch“ und Szymborskas Lyrik näher. Tatjana versteht es, wie alle guten Dichter, mit wenigen Worten viel zu sagen.
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