
U žutoj kući
Gjalskis Roman „Im gelben Haus“ (1914) enthüllt den provinziellen Alltag: Höflichkeitsmasken, stille Ambitionen und subtile, ironische Konflikte zwischen Sehnsucht und Pflicht – erzählt mit feinem psychologischen Gespür und elegantem Stil. Seltene antiqua
Willkommen im Gelben Haus von Ksaver Šandor Gjalski – einer Adresse, an der ein Flüstern genauso viel Gewicht hat wie ein Schrei. Hier werden keine Kutschen gejagt oder Imperien untergehen; das Drama entfaltet sich im Wohnzimmer, zwischen den Zeilen, in einem Blick, der einen Augenblick zu lange dauert. Gjalski führt uns durch die Wohnzimmer einer Kleinstadt, wo was die Leute sagen werden das Leben anderer prägt und kleinliche Eitelkeiten und große Hoffnungen unter einem Dach wohnen. Die Charaktere sind subtil nuanciert: Jemand möchte die Stadtgrenzen verlassen, jemand sehnt sich nach Frieden, und wieder ein anderer nach Bestätigung seiner Bedeutung. Und wenn scheinbar nichts geschieht – in Wahrheit geschieht alles: Illusionen zerplatzen, Pflichten drängen, und das Herz flüstert seine eigenen Worte.
Die Prosa ist elegant und klar: Die Sätze fließen ruhig, und unter ihnen flackert eine Ironie, die nie sticht, sondern nur offenbart. Das psychologische Profil jeder Figur entfaltet sich aus Kleinigkeiten: einer still geschlossenen Tür, einem fehlenden Lächeln, einem abgebrochenen Satz. Die Komposition ist bedächtig, das Tempo gleichmäßig, und die Atmosphäre so dicht wie die Nachmittagsluft in einem Salon. Für den Leser bedeutet dies einen Roman, der nicht durch Getöse, sondern durch Finesse besticht – und in dem viele zeitlose Themen wiedererkennen werden: die Spannung zwischen Verlangen und Pflicht, die Macht der Gewohnheit, die Angst vor Veränderung, der Trost des Rituals.
Wenn Sie Klassiker mögen, die nicht belehrend wirken, sondern Ihnen beim Umblättern der nächsten Seite ein leises Augenzwinkern schenken, dann ist Im gelben Haus genau das Richtige: eine präzise Studie einer Gesellschaftsschicht und eine zeitlose Geschichte über Menschen, wie wir sie gestern waren und wie wir, allem Anschein nach, immer noch sind.
Diese Ausgabe gehört zur Reihe Gesammelte Werke von Ksaver Šandor Gjalski (Serie IV, Band I), Piščeva naklada, 1914. Bibliografisch gesehen handelt es sich um eine frühe, vom Autor selbst zusammengestellte Ausgabe, die die kanonische Rezeption maßgeblich prägte. Für den Leser bedeutet dies einen klassischen Stil, editorische Stabilität und den historischen Charakter der Epoche.
Angeboten wird ein Exemplar
- Wiederhergestellte Wirbelsäule





