
Na rubu pameti
Der Roman „Am Rande des Verstandes“ (1938) ist Krležas einziger Roman in der Ich-Perspektive. Ein promovierter Jurist verurteilt auf einem Bankett einen mächtigen Industriellen moralisch und löst damit einen allgemeinen gesellschaftlichen Boykott, Verfolg
Der 1938 erschienene Roman „Am Rande des Wahnsinns“ ist eine scharfe Satire auf die kleinbürgerliche Heuchelei, Konformität und moralische Verkommenheit der Zagreber Elite am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Die Handlung folgt einem namenlosen, 52-jährigen Doktor der Rechte, einem langjährigen, angesehenen Rechtsvertreter, der bei einem Abendessen spontan und dreist gegen den angesehenen Industriellen und einflussreichen Domačinski protestiert und dessen Reichtum als Ergebnis von Verbrechen und Ausbeutung darstellt.
Dieser inakzeptable Schritt abseits der gesellschaftlichen Normen löst eine Lawine aus: Über Nacht wendet sich sein Umfeld von ihm ab, seine Frau verlässt ihn, Freunde und Bekannte kehren ihm den Rücken zu, und in der ganzen Stadt verbreiten sich Gerüchte über seinen angeblichen Wahnsinn. Konfrontiert mit einem organisierten Boykott, Ermittlungen, Anklage und Gefängnis, weigert sich der Protagonist, Kompromisse einzugehen. Durch innere Monologe und Begegnungen mit den Ausgegrenzten entlarvt Krleža meisterhaft die kollektive menschliche Dummheit als primäre Triebkraft einer totalitären und heuchlerischen Gesellschaft und schafft so eine zeitlose Studie über einen einsamen Menschen, der sich für Rebellion statt Anpassung entscheidet.
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