
Blizu kuće
„Close to Home“ (1962) von Erskine Caldwell ist ein scharfsinniger, realistischer Roman über Rassismus, Heuchelei und soziale Ungerechtigkeit im amerikanischen Süden während der Zeit der Rassentrennung.
Der Protagonist, Native Hunnicutt, ein armer Weißer aus einer heruntergekommenen Hütte in der Kleinstadt Palmyra, heiratet die wohlhabende Witwe Maebelle vor allem wegen ihrer hervorragenden Kochkünste, ihrer finanziellen Sicherheit und des Komforts, den sie ihm bietet. Seine wahre Leidenschaft jedoch gilt seiner langjährigen, heimlichen Affäre mit Josene, Maebelles schwarzer Magd (einer Octoronk – zu einem Achtel schwarz), die die brüchigen Grenzen der Rassentrennung symbolisiert.
Caldwell schildert realistisch den Alltag in einer Stadt, in der Rassentrennung rechtlich und gesellschaftlich die Norm ist, in der Weiße aber nachts in heimlichen Beziehungen die Regeln brechen. Native ist kein ideologischer Rassist, sondern ein passiver Teilnehmer des Systems, getrieben von gesellschaftlichen Konventionen und Angst. Als Maebelle die Affäre entdeckt, lösen ihre Eifersucht und Wut eine Kette von Ereignissen aus: Anschuldigungen, Polizeibrutalität, ein unfairer Prozess und die Kollektivbestrafung der schwarzen Bevölkerung. Dies verdeutlicht die systemische Voreingenommenheit der Justiz und die Ideologie der weißen Vorherrschaft.
Der Roman ist typisch für Caldwells Stil – roh, ungezügelt, fokussiert auf Armut, Sexualität, Gewalt und die sozialen Probleme des Südens (ähnlich wie in „Tobacco Road“ und „God’s Little Acre“). Ohne Pathos oder Sentimentalität kritisiert er die Heuchelei der Rassentrennung und die Unmenschlichkeit des Rassismus in den 1950er- und 1960er-Jahren. Das Werk ist aufgrund seiner offenen Darstellung von Rassenmischung und Gewalt umstritten, bleibt aber ein wichtiges Zeugnis der Rassenspannungen in Amerika.
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